Bedingungsloses Grundeinkommen: Das neue Pilotprojekt

Im Rahmen eines Pilotprojekts erhalten 122 Menschen seit dem 01. Juni 2021 für den Zeitraum von drei Jahren jeden Monat 1.200 Euro - und das ganz ohne Gegenleistung.

Die Teilnehmer*innen müssen für den Forschungszweck lediglich regelmäßig Fragebögen beantworten. Im Unterschied zum Pilotprojekt „Solidarisches Grundeinkommen“ (SGE), wo insgesamt 1.000 arbeitslose Berliner*innen für eine Alternative zum Arbeitslosengeld II herangezogen wurden, wurden für das Projekt „Bedingungsloses Grundeinkommen“ (BG) Menschen ausgewählt, die zwischen 21 und 40 Jahre alt sind, in einem Ein-Personen-Haushalt leben und sich bereits in Anstellung befinden, das über der BG-Auszahlung liegt.

Ziel dieser Studie ist es zu analysieren, wie sich das BG also auf jene auswirkt, die bereits mehr als 1200€ verdienen. Sie soll zeigen, ob und wenn ja, wie sich für die Teilnehmenden das Arbeitsleben, ihr Konsum und die Zufriedenheit verändern.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Vor- und Nachteile

Kritische Stimmen sind der Meinung, das BG würde zu Faulheit führen: als unverdiente Hängematte, in der sich Menschen bequem schaukeln können und nie wieder arbeiten. Befürworter*innen des BG sehen die zusätzliche finanzielle Sicherheit ganz im Gegenteil als (Motivations-)Motor und eine Möglichkeit, sich zu entfalten und ihren Interessen nach zu gehen.

Sie gehen davon aus, dass diese Zufriedenheit zu einem langfristig gesünderen Leben und im Arbeitsleben zu besseren Ergebnissen führen wird. Das Grundeinkommen könnte nicht nur die Individuen, sondern auch die Gesellschaft im Allgemeinen stärken, Ungleichheiten und Schieflagen begegnen und einen neuen Umgang mit und Zugang zur Arbeit fördern.

Eine umfangreichere Zusammenstellung der Vor- und Nachteile von BG erhalten Sie zum Beispiel im Podcast der Tagesschau „mal angenommen“.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Macht die finanzielle Sicherheit zufriedener?

Forschende wollen beobachten, ob und wie die bedingungslose und regelmäßige Auszahlung dieses Geldes – das über dem Existenzminimum liegt – wirkt. Haben Menschen, die das BG beziehen, mehr Gemeinsinn? Wie steht es um die psychische Belastung? Würden sie noch arbeiten? Wie zufrieden macht sie ihre Arbeit? Neben den Teilnehmer*innen mit monatlichem BG, gibt es eine Kontrollgruppe ohne BG von ungefähr 1400 Proband*innen.  Durch die Vergleichswerte sollen Veränderungen ersichtlich werden, die tatsächlich auf das BG zurückzuführen sind.

Eine Hypothese der Studie ist, dass es den Menschen nicht so sehr um das Geld an sich geht, sondern vielmehr um die bedingungslose Gewährung der finanziellen Versorgung und damit verbundene Sicherheit. Geld wird hier folglich als ein Instrument gesehen, um Menschen einen Vertrauensvorschuss zu gewähren und im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung daraus neues Vertrauen in sich und die Gesellschaft zu generieren. Michael Bohmeyer, Initiator des Pilotprojekts, meint dazu im Interview mit dem Deutschlandfunk. (vgl. Min. 05:26-05:51), dass dies im besten Falle dazu führe, dass wir bessere Entscheidungen treffen, nachhaltiger und sozialer leben.

Sie wollen mehr erfahren oder auf dem Laufenden bleiben? Dann finden Sie bei dem Verein „Mein Grundeinkommen“ ein weiteres Interview mit Michale Bohmeyer und einen Bericht zu dem Pilotprojekt auf der Internetseite des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Bildquelle:
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